ie Deutschen, so sagt man, haben
gerne
Angst. Sie fürchten Rezession,
Inflation, Einwanderung und natürlich den Krieg. Diese Ängste
zelebrieren sie so leidenschaftlich, dass der Begriff „German Angst“ sogar Eingang
in die englische Sprache gefunden hat.
Derzeit dominiert wieder einmal das Thema Krieg. Kaum ein Tag vergeht, an dem
nicht ein deutscher General oder Think-Tank-Experte seine Einschätzung zu einem
bevorstehenden russischen Angriff gegen die Nato abgibt. Nach Ansicht dieser
„Fachleute“ deuten russische Äußerungen sowie die Produktionszahlen der russischen
Rüstungsindustrie darauf hin, dass sich das Land auf einen Krieg vorbereitet.
Hufescharrend stünde „der Russe vor der Tür“. Schon 2029, raunt man, könnte ein Angriff erfolgen. Schlimmer noch: Schon heute
führe Russland einen „hybriden Krieg“ gegen den Westen, mit Deutschland als
Zielscheibe Nummer eins.
Der hybride Krieg als Vorstufe zum großen Waffengang? Eine schreckliche
Vorstellung. Doch noch ist es zu früh, um sich im örtlichen Baumarkt nach einem
Schutzbunker für den eigenen Vorgarten zu erkundigen. Auch der Kauf von
Lebensmittelkonserven, Batterien und eines deutsch-russischen Wörterbuchs kann
warten. Denn ein nüchterner Blick zeigt, dass sich in der aktuellen Debatte echte
Bedrohungen und wilde Spekulationen in fahrlässiger Weise miteinander
vermengen. Das schürt Angst, hilft aber nicht beim Lösen der Probleme…